

Für die Kinder sind die leiblichen Elternwichtige Bezugspersonen, auch wenn sie im Alltag nicht vorkommen. Sie haben eine tiefe Sehnsucht nach Mama und Papa, die auch in dem sehr engen Bindungsangebot Kinderdorffamilie nicht ganz erfüllt werden kann. Wir vermitteln ihnen, dass die Mama die Mama bleibt und bringen den Eltern eine wertschätzende Haltung entgegen.
Für die Kinder und auch für uns ist es nicht immer einfach, mit den Elternbe suchen umzugehen. Wir erleben, wie zerrissen Kinder sind, wenn Elternbesuch ansteht. Diese Zerrissenheit spiegelt sich oft in einer sehr großen Anhänglichkeit vor und nach den Besuchen und einem hohen Maß an Unruhe und oft auch Aggressivität. Besonders schwierig wird die Situation, wenn Kinder eine Zeit lang regelmäßig besucht werden, dann aber die Besuche bzw. Telefonate plötzlich eingestellt oder Versprechen nicht gehalten werden.

Es gibt ja auch unter den Kindern Neid, wenn manche Kinder zuhause übernachten dürfen, während dies in anderen Familien nicht möglich ist. Wir erleben es immer wieder, dass auch Kinder, die Besuch bekommen, dies gegenüber den Kindern, die keinen Elternbesuch haben, ausspielen und versuchen, sie neidisch zu machen. Oft nehmen Eltern uns als Konkurrenz wahr, was die Zusammenarbeit erschwert und auch immer mal wieder
dazu führt, dass Eltern demonstrieren wollen, dass sie doch die besseren Eltern sind, indem sie versuchen, uns schlecht zu machen.
Der Bereich Elternarbeit ist ein sehr sensibler und es ist wichtig, dass immer wieder nach neuen Wegen im Umgang und der Umgangsgestaltung gesucht wird.
Ulrike Bauer, Familienleiterin Eltville