Page 4 - Partizipationskonzept Bethanien Kinderdorf
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4 BETEILIGUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN
1 BETEILIGUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN
Beteiligung (Partizipation) von jungen Menschen zählt zu den Eckpfeilern von Erziehung, Bildung und Gestaltung
von Jugendhilfemaßnahmen in den Bethanien Kinder- und Jugenddörfern.
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den stationären Erziehungshilfen kann nicht auf formale Prozesse
oder Maßnahmen beschränkt werden. Die Umsetzung von Beteiligung im Alltag setzt eine immanente Haltung
zur Beteiligungsorientierung eines jeden Einzelnen voraus. In den Einrichtungen geht es auch um eine beteili-
gungsfördernde Organisationskultur, in der durch ineinandergreifende Abstimmungsprozesse zur Personal-, Orga-
nisations- und Qualitätsentwicklung ein Mitgestalten für alle Beteiligten möglich wird. Dadurch kann eine zur
Beteiligung motivierende Atmosphäre im Sinne der Kinder und Jugendlichen entstehen und bestehen bleiben.
Der Einsatz zur Beteiligung von jungen Menschen in den stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen trägt
dazu bei, dass Kinder und Jugendliche ihre Bürgerrechte in dem Sinne erkennen und erleben, wie sie in der
UN-Kinderrechtskonvention und im nationalem Recht festgeschrieben sind.
Partizipation wird auch als ein Lernfeld zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen verstanden, die ein junger
Mensch in der modernen Gesellschaft braucht. Dazu zählen soziale Kompetenzen, angemessene Interessen -
vertretungen und konstruktive Konfliktlösungen. Partizipation stärkt die Persönlichkeit und entfaltet das
Ent wicklungspotenzial junger Menschen. Sie führt somit zur Ausbildung von Ressourcen und Schutzfaktoren.
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Gelungene Beteiligung ist ein Instrument der Prävention, das Gewalt verhindern kann. (vgl. Positionspapier
„Beteiligung in der Erziehungshilfe“, BVkE, 2011).
Für Kinder und Jugendliche ist die Einbeziehung ihrer Eltern und Familien ein bedeutender Faktor, der sich auf
ihre eigene Beteiligung positiv auswirkt. Eltern und Familien sind dort, wo es um Verantwortung für ihr Kind oder
für sich selbst geht, beteiligt. Die Kooperation mit Eltern und Familien findet ihren Ausdruck nicht nur bei der
Beteiligung am Hilfeplanverfahren, sondern in vielfältigen Formen, je nach Beziehungsintensität und Vereinba-
rung z.B. bei Besuchskontakten, dem Miterleben von wichtigen Entwicklungsschritten der Kinder und in der
Beteiligung an pädagogischen Fragestellungen und Entscheidungen.
1.1 Rechtekatalog
Für unsere Bethanien Kinderdörfer sind die Kinderrechte von zentraler Bedeutung, haben wir es doch überwie-
gend mit Kindern und Jugendlichen zu tun, deren Teilhabe und Teilnahme – und das heißt auch deren Verwirk-
lichungschancen auf ein gesundes Aufwachsen – in unserer Gesellschaft eingeschränkt wurden und werden.
Durch die Einhaltung und Umsetzung der Kinderrechte gewährleisten wir in unserer Arbeit mit den uns an -
vertrauten Kindern und Jugendlichen, dass diese ihre biographisch erworbenen äußeren wie inneren Notlagen
bearbeiten und bewältigen können. Als Initiator des Projekts „Echte KinderRechte“, in dessen Verlauf ein
Projektbuch und eine CD herausgegeben wurde, möchten wir dazu beitragen, dass die Kinder der Bethanien
Kinderdörfer zu Expertinnen und Experten in Sachen Kinderrechte werden.
Das Kinderrechteprojekt begann mit einer „Traumwerkstatt“ im Mai 2007. Dazu kamen mehr als 50 Kinder,
Jugendliche und Erwachsene aus allen drei Bethanien Kinderdörfern zusammen.
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Bundesverband kath. Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BVkE) (2011). Positionspapier Beteiligung in der
Erziehungshilfe (Verabschiedet durch den BVkE-Vorstand am 14. September 2011) www.bvke.de/70765.html (Download vom 28.09.2012)
2
Bethanien Kinderdörfer gGmbH (Hrsg.) (2008): Echte KinderRechte. Das Lieder- und Projektbuch zu Kinderrechten, 1. Aufl., Lippstadt

