Warum wird auch im Kinderdorf gewählt? Wohlwollen, Partizipation und Kompromissbereitschaft – diese drei Zutaten braucht es, damit das Zusammenleben in einer Familie, einer Wohngemeinschaft, Stadtrat oder auch im Kinderdorf, für alle kleinen und großen Menschen unter einem Dach überhaupt lebenswert zu machen. Dass nicht nur GEMEINSCHAFT im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Eltville sprichwörtlich großgeschrieben wird, sondern auch Partizipation und demokratische Mitbestimmung, ist der nachhaltigen Arbeit des Kinder- und Jugendrats sowie der Kinderteams mitsamt aller Betreuungskräfte in den Wohngruppen zu verdanken.
Im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Eltville spielt demokratische Mitbestimmung eine zentrale Rolle. Hier erleben Kinder und Jugendliche ganz konkret, wie Beteiligung im Alltag funktioniert. „Anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahlen ist es gerade auch für unsere Jugendlichen wichtig zu erfahren, wie auch im Kleinen demokratische Teilhabe gelebt werden kann“, sagt Kinderdorfleiter Thomas Kunz.
Grundlage für diesen Ansatz ist das Partizipationskonzept des Kinderdorfs: „Aufgabe des Kinder- und Jugendrates ist es, die Zusammenarbeit aller Bewohnenden und Mitarbeitenden zu fördern, anstehende Probleme und Konflikte aufzugreifen und Lösungsvorschläge auszuarbeiten.“ „Das 25-seitige Konzept ist unsere „Bibel“, nach der wir handeln und miteinander umgehen“, erklärt Johann Banholzer, Pädagogischer Fachdienst des Bethanien Kinderdorfs in Eltville. In seiner Doppelfunktion als gewählter Vertrauenserzieher und Pädagogischer Fachdienst hat er nicht nur bei den nachmittäglichen Angeboten für die aktuell 180 Kinder und Jugendliche, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr bei ihrer leiblichen Familie wohnen können, ein Auge und ein Ohr für Alltagssorgen übrig, sondern selbstverständlich auch dann, wenn es in den Wohngruppen mal hakt. Dann greift jedoch zu allererst das sogenannte Kinderteam.
Das Kinderteam ist das Herz eines jeden Hauses. Einmal aus dem Takt, braucht es alle Expertinnen und Experten die unter einem Dach leben, lachen, streiten und arbeiten, um das Miteinander wiederherzustellen. „Daher schauen wir bei unseren monatlichen Sitzungen des KiDo-Rats erstmal danach, welche Themen in den Kinderteams der unterschiedlichen Wohngruppen gerade wichtig sind“, erklärt Banholzer. Viele Stellschrauben im Miteinander lassen sich schon dann drehen, wenn alle Beteiligten das Zusammenleben evaluieren. Was läuft aktuell gut bei uns? Was läuft schlecht? Allein durch das Zusammentragen von Antworten auf diese zwei Fragen hat das Kinderteam in einem der Häuser erfolgreich eine Grundlage erarbeitet, die das Gemeinschaftsgefühl verbessert hat.
Sollte sich ein Konflikt weder im Kinderteam noch mit den Bezugsbetreuenden und dem Beschwerdemanagement innerhalb des Kinderdorfs klären lassen, helfen externe Stellen – hier ist vor allem die von den Jugendämtern finanzierte Ombudsstelle zu nennen. Aktuell besteht der Kinder- und Jugenddorfrat des Bethanien Kinder- und Jugenddorfs Eltville aus acht engagierten jungen Menschen ab 12 Jahren, die von den wahlberechtigten Kindern ab acht Jahren ihrer jeweiligen Wohngruppe gewählt wurden.
Neben dem „guten Ton“ im Miteinander kümmert sich der Kidorat auch um Ausstattung oder Regeln des Kinderdorfs. So konnte der KiDo-Rat erfolgreich bewirken, dass das bestehende Radfahrverbot auf der Skateranlage aufgehoben wurde. Eine Nestschaukel wird es indes auf dem bestehenden Spielplatz nicht geben, da vorgegebene Abstände zu anderen Spielgeräten nicht eingehalten werden können. „Aber auch hier haben wir eine Lösung gefunden – bald werden wir eine Hängematte bekommen, die das gemeinschaftliche „Chillen“ dann noch einfacher macht“, so Nina K., Mitglied des KiDo-Rats. „Engagement im Miteinander zahlt sich eben immer aus! Ob Zuhause oder eben als Bürgerin oder Bürger einer Stadt“, sagt Banholzer – genau dieses Learning sei wichtig, um die dann jungen Erwachsenen auch in ihrem Weg zu bestärken, in einer Wahl für ihre Stimme einzustehen und von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen – ob im Kinderdorf oder eben dann bei einer Kommunal-, oder Bundestagswahl.